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Gerhard Bosinski
Die Entstehung des Menschen
Der Mensch entstand aus der Familie der Menschenaffen (hominidae). Unsere nächsten lebenden Verwandten sind die Schimpansen (pan troglodytes) und die Bonobos (pan paniscus), mit denen unser Genom zu etwa 95 % übereinstimmt. Der gemeinsame Vorfahr von Mensch und Schimpanse lebte vor 10 bis 6 Millionen Jahren in Afrika. Die Schimpansen haben sich in der seither vergangenen Zeit auch weiterentwickelt, so dass wir im Aussehen und Verhalten der heutigen Formen nicht das Bild unseres gemeinsamen Vorfahren sehen können. Die Hominiden erlebten am Ende des Miozäns und im Pliozän eine große Entfaltung. Zwar kennen wir aus der Zeit vor 10 bis 2 Millionen Jahren etwa zwanzig Fossilien, doch es gelingt bisher nicht, den zum Menschen führenden Weg genauer nachzuzeichnen.
Wichtig ist das Auftreten der Australopithecinen vor etwa 6 Millionen Jahren. Es waren aufrecht gehende Hominiden, die wir heute nicht nur aus den klassischen Fundgebieten in Ost- und Südafrika, sondern auch aus dem Tschad kennen. Die Herausbildung des aufrechten Gangs erfolgte allmählich und möglicherweise auch in einer bewaldeten Landschaft. Parallel dazu wurde das Gesicht flacher, mit einer weniger vorspringenden Mund-Nasen-Region, und das Gehirnvolumen größer. Es gab verschiedene Formen der Australopithecinen. Jeder neue Fund wird nach seinem Platz auf oder neben der Linie zum Menschen diskutiert. Meist handelt es sich um einzelne oder wenige Knochen, die oft nicht unmittelbar miteinander verglichen werden können, da sie von verschiedenen Körperteilen stammen. Das einzige weitgehend vollständige und deshalb so wichtige Skelett stammt aus dem Hadargebiet in Äthiopien und hat ein Alter von 3,9 bis 3,2 Millionen Jahren. Die Knochen gehörten zu einer etwa 25-jährigen Frau mit einer Körpergröße von nur 105 cm. Der Fund wurde als Lucy (nach einem Beatles-Song) berühmt. Die Lage des Hinterhauptloches, die Form des Beckens und die Morphologie des Oberschenkelknochens belegen, dass dieser australopithecus afarensis aufrecht ging, jedoch wie andere Australopithecinen aus dem älteren Pliozän häufig kletterte. In die Zeit des a. afarensis gehören auch die Fußspuren von Laetoli (Tansania), die sich hier zusammen mit den Fährten von Tieren in vulkanischer Asche vom Ausbruch des Sadiman-Vulkans vor 3,6 Millionen Jahren erhalten haben. Diese Spuren stammen von zwei völlig aufrecht gehenden Individuen. Lucy gehörte zu einer grazilen Form der Australopithecinen, die in vielen Merkmalen dem in Südafrika definierten a. africanus entspricht. Es sind vor allem diese Formen, die zu der zum Menschen führenden Linie gehören. Dabei ist eine Änderung von Klima und Umwelt von Bedeutung, die vor 3 Millionen Jahren in Ost- und Südafrika zu größerer Trockenheit und zur Ausbreitung der Savanne führte. (…)
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