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Albrecht Jockenhövel
Der Blick von der Raumkapsel Apollo 8 aus dem Weltraum auf den „blauen“ Planeten Erde im Dezember 1968 verdeutlichte auf eine ganz besondere Weise seine Einzigartigkeit innerhalb unseres Sonnensystems, und das von William Anders gemachte Foto von der aufgehenden Erde wurde im Zuge der globalen Ökologiebewegung zur Metapher für unsere nur durch nachhaltigen Schutz zu bewahrende Erde. Ihre im Bild verdeutlichte Zerbrechlichkeit spricht alle Menschen gleichermaßen an und befördert bis heute in hohem Maße den Umweltschutz, was jedoch nicht heißt, dass das angeblich vernuftbegabte Wesen Mensch ohne großes Wenn und Aber im Stande wäre, zu ihrem Bestand und Erhalt nachhaltig beizutragen. Zu viele Einzelinteressen stoßen aneinander und neutralisieren sich. Viele Menschen haben nach einem optimistischen Vertrauen in eine vermeintlich immer besser werdende Zukunft mittlerweile ein diffuses Gefühl, in einer krisenhaften Wendezeit mit vielen Anzeichen einer Endlichkeit zu leben. Den Erforschungen des Weltraums stehen die des Mikrokosmos des menschlichen Lebens gegenüber, wo es schon gelungen ist, sein Genom vollständig zu entschlüsseln. So stellt sich auch der heutige Mensch seine ureigenste Frage nach seiner Zukunft, aber zugleich auch nach seiner Vergangenheit – nach seiner Geschichte. Die Suche nach seinen biologischen, geschichtlichen und kulturellen Wurzeln ist hochaktuell, und nicht zufällig ist es Aufgabe der Vereinten Nationen, das Weltkulturerbe exemplarisch zu bewahren. Auf dieser Liste stehen sowohl historische als auch prähistorische Denkmäler, darunter auch viele Fundstellen fossiler Menschen, wie zum Beispiel in Äthiopien der Unterlauf des Flusses Omo, in China die Höhlen des Pekingmenschen in Zhoukoudian oder in Indonesien die Fundstelle von Sangiran. Nachfolgend soll noch einmal der Leitfaden dieser Weltgeschichte – die Universalgeschichte des Menschen zwischen globaler und regionaler Vernetzung – für die älteste und zugleich längste Epoche aufgegriffen werden, wobei auch einige Regionen der Welt berührt werden, die in den vorstehenden Kapiteln nicht aufgenommen werden konnten.
Zwei Fachgebiete haben besonders ein neues Licht auf die Menschheitsgeschichte geworfen und dies zugleich in einem interdisziplinären Verbund. Die Paläoanthropologie konnte die Menschwerdung durch immer neue Fossilfunde weiter erklären, und die Archäologie konnte die ersten kulturellen Hinterlassenschaften der frühen Menschen bestimmen, wobei durch beide immer größere Zeitdimensionen erschlossen wurden. Wenn auch noch viele Quellen- und Fundlücken sowie damit verbundene kontroverse Hypothesen bestehen – die Forschung kann sich auf nur ca. zwei Dutzend Fossilfunde stützen –, scheint der zeitliche, räumliche und ökologische Rahmen gesichert, in dem sich die ersten Menschen ausschließlich in Afrika entwickelten. Daher ist Afrika beim heutigen Forschungsstand die Wiege der Menschheit. Nur auf diesem Kontinent werden immer ältere Befunde der Menschwerdung geborgen. Die später im Mittelpunkt stehenden Kontinente Europa und Asien waren lange Zeit lediglich Randgebiete, von Australien und Amerika ganz zu schweigen. Doch was zeichnet den Menschen aus? (…)
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